Presseinformation Zukunft des Segelsports am Schluchsee

Presseinformation - Der Segelverein Schluchsee e.V. sorgt sich um die Zukunft des Segelsports und des Tourismus am Schluchsee

Spätestens im März 2017 wird das Regierungspräsidium Freiburg eine Entscheidung über die Neukonzessionierung der energiewirtschaftlichen Nutzung des Schluchsees verkünden. Die für die Sommermonate seitens der Schluchseewerke beantragten neuen Pegelstandsabsenkungen auf bis zu 923 bzw. 922 m ü. NN würden zu einer massiven Einschränkung des Segelsports sowie anderer Freizeitnutzungen am Schluchsees führen. Der Verein hat ein Video auf Youtube publiziert (Suchbegriff "schluchseewerk segelsport"), das die Auswirkungen der beantragten Pegelabsenkung aufzeigt.

Der Segelverein Schluchsee mit seinen 600 Mitgliedern hat große Hoffnung darauf, dass der Pegelstand ihres Segelreviers nicht weiter abgesenkt wird. Bislang bewegte sich in der Sommersaison der Wasserstand des Sees zwischen 929 und minimal 924 über Normalnull (NN) und bot so ein interessantes und anspruchsvolles Segelrevier, das sich auch bei Kindern und Jugendlichen großer Beliebtheit erfreute.

Die bisherige wasserrechtliche Genehmigung des Schluchsees als Stromspeicher läuft nun jedoch am 16. März dieses Jahres aus, sodass die Schluchseewerk AG, die mehrheitlich im Besitz der Stromkonzerne RWE und EnBW ist, eine neue Genehmigung beantragt hat. Demnach soll das Wasser im Sommer um einen Meter tiefer als bisher, also bis zu 923 Meter über NN - abgelassen werden, allerdings mit der Option, einen weiteren Meter abzulassen, also auf 922 m ü. NN, wenn es die energiewirtschaftliche Lage erfordert.

Gegen diese Planung spricht sich der Segelverein Schluchsee klar aus, denn was nach Korinthen klingt, hat starke Auswirkungen: "Es wird uns schlichtweg nicht möglich sein, bei einem Wasserstand von 923 Meter über NN unseren Segelsport auszuüben, da dann die Boote auf Grund laufen - schon wenige Zentimeter unterhalb 924 Meter kommen wir in Schwierigkeiten, da der Schluchsee einige Untiefen aufweist", so Kristian Raue, Vorstand des Segelvereins Schluchsee und untermauert seine Befürchtungen mit klaren Worten: "Wenn das Regierungspräsidium die Absenkung auf 923 oder gar 922 Meter genehmigt, ist das das Ende des Segelsports am Schluchsee!"

Eine Absenkung des Pegels reduziert die verfügbare Wasserfläche des ganzen Sees und lässt zudem mitten im See eine unpassierbare Untiefe bzw. eine neue Insel entstehen, die die verfügbare Seefläche in diesem wichtigen Seebereich deutlich reduziert. Da alle Wassersportler und das Rundfahrt-Schiff MS Schluchsee diesen dann verengten Bereich passieren müssen, sind Unfälle vorprogrammiert.

Die neuen Mindestpegelstände führen dazu, dass der Bootskran des Segelvereins nicht mehr bis zum Wasser reicht und die Schwimmstege teilweise auf dem Trockenen liegen. Zudem können die Stege bei Saisonbeginn beziehungsweise Saisonende nicht mehr ein- oder ausgewassert werden, schlicht deshalb, weil der Radlader dort nicht sicher fahren kann. "Schlick und Schlamm, soweit das Auge reicht und ein unangenehmer Geruch, das sind eine der direkten Folgen, wenn sich der Wasserstand reduziert", erklärt Raue und führt aus, dass so auch der Zugang zum See im Allgemeinen erschwert wird und letztlich auch Schwimmer, Angler und sonstige Wassersportler betroffen sein werden. In einem Video auf der Website des Vereins wird das eindrucksvoll gezeigt.

Die Schluchseewerk AG begründet die Absenkung der Mindestpegel im Schluchsee zum einem mit der Energiewende und zum anderen mit der Notwendigkeit, die Rentabilität der Schluchsee-Pumpspeicherwerke zu erhöhen. Der Segelverein begrüßt die für die Energiewende notwendige Funktion des Schluchsees als Ausgleichsspeicher für Tagesschwankungen bei Wind- und Solarenergie und kann die dafür notwendigen täglichen Pegelschwankungen akzeptieren. Nicht einverstanden ist der Segelverein aber mit den darüber hinausgehenden Absenkzielen, die nicht durch die Energiewende, sondern durch die Hoffnung auf saisonal bedingte Spekulationsgewinne an den Strombörsen motiviert sind.

Der Segelverein weist auf den rechtlich vorgeschriebenen Einspeisevorrang der regenerativen Energieträger in das deutsche Stromnetz. Daraus ergibt sich, dass bei mehrtägigem Stromüberschuss nicht die Energie der regenerativen Stromquellen Wind und Sonne, sondern fast ausschließlich der überflüssige Strom konventioneller, also fossiler Kraftwerke im Schluchsee gespeichert wird. Anstatt Kohlestrom mit einem Verlustfaktor von 30% im Schluchsee zu speichern, wäre es sinnvoller, diesen durch Einsatz eines intelligenten Kraftwerksmanagements gar nicht erst zu erzeugen. Entsprechende Gutachten, die im Jahr 2013 vom DIW und im Jahre 2014 vom Fraunhofer-Institut und der RWTH Aachen erstellt wurden, untermauern diese Einschätzung des Segelvereins.

"In jedem Fall hängt die Energiewende und die Energieversorgung in Deutschland nicht von den 2 zusätzlichen Metern Speichervolumen im Schluchsee ab, auch wenn die kostenintensiv geführte PR-Kampagne der Schluchseewerk AG das die Öffentlichkeit glauben machen soll", sagt Vereinsvorstand Raue. Interessant ist dabei, dass die Schluchseewerk AG in Ihrer Online-Bannerwerbung mit einem Segelboot auf einem gut gefüllten Schluchsee wirbt, also genau mit dem, was durch die Pläne der Schluchseewerk AG zukünftig nicht mehr möglich sein wird.

Es sind nicht nur die Wassersportler, die große Befürchtungen in Hinblick auf die Pläne der Schluchseewerke AG hegen, sondern auch all jene, die den See als Angelrevier, Naherholungsgebiet oder touristisches Ziel nutzen. Sowohl seitens der Gemeinde Schluchsee als auch seitens der Hochschwarzwald Tourismus GmbH wurden daher ebenfalls Bedenken zur Absenkung des Sees ausgesprochen. "Wir Segler sind nur eine von vielen Gruppierungen, die sich eine gütliche Einigung wünschen - nicht zuletzt auch auf Grund unserer stark vertretenen Seglerjugend, die mit rund 100 Mitgliedern einen großen Anteil am Vereinsleben hat."

Der Segelverein Schluchsee hat auf seiner Homepage ein Video veröffentlicht, das die Auswirkungen der beantragten Pegelabsenkung auf 923 bzw. 922 m. ü. NN anschaulich darstellt.

Bildmaterial: Es können zwei Bilder (Vorschau siehe unten) in hoher Auflösung heruntergeladen und verwendet werden. Die Bilder wurden bei einem Pegelstand von ca. 922 m ü. NN vom Segelverein Schluchsee e.V. aufgenommen.

Bild 1: "Blick auf den See und die Stege am Bootskran bei Wasserständen unterhalb des bisherigen Sommer-Mindestpegels von 924 Meter ü. NN" Download Bild 1

Bild 2: "Blick auf das Ufer des Schluchsees bei Wasserständen unterhalb des bisherigen Sommer-Mindestpegels von 924 Meter ü. NN" Download Bild 2
Youtube Link: https://www.youtube.com/watch?v=yLukJJngyW4

Ansprechpartner Presse:

Segelverein Schluchsee e.V.
Engelbergerstr. 16a
79106 Freiburg

Erster Vorsitzender: Kristian Raue
Mail: info@segelverein-schluchsee.de